White Sands, New Mexico

von Günter Kunert Mitten im verstörenden Glast, im schneeigen Weiß der Wüste, umgeben von völliger Ausgeblichenheit, bis zu den horizontfernen Bergen. Blauer somit als sonstwo der Himmel. Keine Spur mehr vom Großen Experiment. Längst der giftige Rauchpilz verflogen. Mit der Schuhspitze graviere ich meinen Namen in das rieselnde Element. Nach Minuten schon verschwinden die Buchstaben wieder. Auch sollen an diesem Platz Lurche und andres Getier von der gleichen Farbe der Unschuld sein, obwohl gerade hier wir sie weltweit endgültig verloren.   © Günter Kunert, Kaisborstel

Weiterlesen

Venezianische Irritation mit P. R.

von Jürgen Bulla Venedig, die Stadt, sie sprach über mich. Weil das anhielt, gab ich den Befehl zu fluten. Santa Maria della Salute, nur um des Namens fuhr ich hinüber, hellhörig sehr auf die fleischigen Münder, der Sturz der Contessa, ach ihr zer- fledderter Oberkörper, Grande Dame so die Zeitungen, und Heroin, die Zähne überall Bissspuren, Narben von Einstichen, hinter dem Lido, sagte einer, brenne seit Tagen schon ein Tanker, Öl und Wasser, ihre Beine zu welcher Empfängnis geöffnet leben lieber nur so tun.   © Jürgen Bulla, München

Weiterlesen

Intertextualität

von Richard Dove So viele Leben weben neben deinem, Vornehm gewandet wie von Hofmannsthals, Hemdsärmliger, wie das des Kerls, der, stockend, Beinamputiert, auf einem niedrigen Brett, Durch Bangkoks hohes, brandendes Meer sich schiebt. Wie die der magren Hühner, die dich wissend Von ihrem Käfig auf dem Motorroller Auf Bali anschaun, die der Lamaföten, Das ewige Blau in ihren starren Augen, Die in La Paz, am Hexenmarkt, dich grüßen. Betörend schön der Teppich, den du kaufst, Und zwischen denen, die nur die Rückseite Dieses Gewebs, an dem sie knüpfen dürfen, Genauer kennen: Welche Freundlichkeiten. Astor House Hotel, Shanghai, oberstes Stockwerk   […]

Weiterlesen
1 7 8 9 10 11