»Gedichte mit Tradition – Neue Blätter am Stammbaum der Poesie«: eine fortlaufende Online-Anthologie, zusammengestellt von Jan-Eike Hornauer
Jan-Eike Hornauer
Ein Sommerbild
Dämmernd liegst im Sommerabend
du mit deiner Liebsten drin,
siehst zum Mond am blauen Himmel,
über Wald und Wiese hin.
Selig lauschst du diesem Atmen,
das nicht deins ist, aber dein.
Und am Bach zirpt eine Grille.
Braucht es mehr zum Glücklichsein?
Da seufzt sie, entkuschelt sich,
geht zum Bach, um sich zu baden,
senkt sich nackt ins Plätschernass.
Ewig willst dies Bild du haben!
© Jan-Eike Hornauer, München
+ Das Original
Heinrich Heine
Dämmernd liegt der Sommerabend
Über Wald und grünen Wiesen;
Goldner Mond, im blauen Himmel,
Strahlt herunter, duftig labend.
An dem Bache zirpt die Grille,
Und es regt sich in dem Wasser,
Und der Wandrer hört ein Plätschern
Und ein Atmen in der Stille.
Dorten an dem Bach alleine,
Badet sich die schöne Elfe;
Arm und Nacken, weiß und lieblich,
Schimmern in dem Mondenscheine.
+ Zum Autor
Jan-Eike Hornauer, geboren 1979, lebt als freier Textzüchter (Autor, Herausgeber, Lektor und Texter) in München. In Lübeck auf die Welt geworfen, aufgewachsen in Hausen bei Aschaffenburg, Studium der Germanistik und Soziologie in Würzburg. Seine literarischen Schaffensschwerpunkte sind: gereimte Lyrik (u. a. komische Gedichte sowie Gedichte zu den Themen Liebe, Gesellschaft und Tiere) und Kurzgeschichten unterschiedlichster Stimmungslage. Er ist zweiter Vorsitzender des Münchner Künstlervereins »Realtraum« sowie freier Redakteur bei »DAS GEDICHT blog«, der Gesellschaft für zeitgenössische Lyrik (GZL, Leipzig) und Literaturradio Hörbahn. Gedichte von ihm sind u. a. erschienen in Publikumsmedien (wie taz und Main-Echo sowie WDR 3 und 5), in Anthologien (u. a. bei Reclam und dtv) sowie in Literaturzeitschriften / -reihen (z. B. DAS GEDICHT, Versnetze, Poesiealbum neu, etcetera und Poesie Agenda).
Zuletzt als Buch herausgekommen sind sein zweiter Solo-Lyrikband »Das Objekt ist beschädigt – zumeist komische Gedichte aus einer brüchigen Welt« (muc Verlag 2016) und die beiden Herausgaben »Wenn Liebe schwant«, eine Anthologie mit neuen komischen Liebesgedichten zeitgenössischer Poeten (muc Verlag 2017), sowie »Semmel sei der Mensch, Bratwurst und Senf!« von Karsten Paul, das aus den »Gedichten mit Tradition« heraus entstanden ist und an dem Hornauer, wie in der Online-Reihe, als Herausgeber, Lektor und Einordnungstextverfasser beteiligt war (muc Verlag 2025).
Auf »DAS GEDICHT blog« hat er u. a. mehrere Online-Anthologien verantwortet, zu denen er auch je eigene Beiträge beigesteuert hat (etwa »Wenn Liebe schwant III« und »Vom Leder gezogen – zur EM 2016 in Frankreich«). Zusammen mit Alex Dreppec und Fritz Deppert hat er hier überdies die Reihe »Lockdown-Lyrik« herausgegeben, in der zahlreiche Poetinnen und Poeten den ersten Corona-Shutdown unmittelbar lyrisch begleitet und kommentiert haben.
Textzuechterei.de/autor.html
»Gedichte mit Tradition« im Archiv
Zu dieser Reihe: »Gedichte mit Tradition – Neue Blätter am Stammbaum der Poesie« ist eine Online-Sammlung zeitgenössischer Poeme, die zentral auf ein bedeutendes Werk referieren, ob nun ernsthaft oder humoristisch, sich verbeugend oder kritisch. Jeden zweiten Freitag erscheint eine neue Folge der von Jan-Eike Hornauer herausgegebenen Open-End-Anthologie. Alle bereits geposteten Folgen finden Sie hier.