Eingestreute Gedichte: »Am Sprungturm« von Jan-Eike Hornauer


Jan-Eike Hornauer

Am Sprungturm

Der Mensch, er ist zum Fallen da
und hat echt Angst, dran zu zerschellen.
Er tut, als sei dies gar nicht wahr,
und darum macht er Riesenwellen.

Er zeigt sich stolz im hellsten Licht,
er gibt sich gänzlich unerschrocken.
Er lächelt, winkt, das ist hier Pflicht,
grad weil ihm Geist und Atem stocken.

Er steht vorm Nichts, im Schwindel drin,
er steht. Zu lang schon. Muss es wagen!
Ein Schritt nur – und dann ist er hin …
Er denkt sich, ach, um Kopf und Kragen!

Er sucht nach Hilfe, sieht sich um.
Man starrt. Er will nun nur noch fliehen.
Er macht den Schritt. Vom Publikum,
da würd’ ihm andres nie verziehen.

Er fällt. Hat Angst. Es klatscht. Er taucht.
Er paddelt hoch. Er schnappt nach Atem.
Ruft: Eben das hab ich gebraucht!
Und: Macht es auch, will ich euch raten!


© Jan-Eike Hornauer, München


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