Eingestreute Kritik: Die bemerkenswerten neuen Gedichtbände von Linda Vilhjálmsdóttir und Juliane Liebert

  Zwischen Revolutionskantaten und Dancefloor-Versen Wieder einmal stellt sich heraus, wie wichtig doch der Titel für einen Gedichtband ist. Oft genug entscheidet – wie bei einem Albumcover auch – der Titel über den Kauf. Dabei gibt es verschiedene Möglichkeiten der Ansprache. Der Titel kann flirrend sein, träumerisch, von geradezu somnambuler Schwerelosigkeit, und zum Weiterspinnen inspirieren. Aber er kann auch von spröder Nüchternheit geprägt sein, von buchhalterischer Präzision und zum genauen Hinschauen führen. Der neue Gedichtband von Linda Vilhjálmsdóttir gehört eindeutig der letzteren Kategorie an. Er heißt „das kleingedruckte“, ein Titel, der aufmerken lässt. Denn im Kleingedruckten steht zumeist das Wichtige. […]

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Gedichte mit Tradition, Folge 205: »Ode an den Schlenzer« von Hellmuth Opitz

Gedichte mit Tradition

»Gedichte mit Tradition – Neue Blätter am Stammbaum der Poesie«: eine fortlaufende Online-Anthologie, zusammengestellt von Jan-Eike Hornauer   Hellmuth Opitz Ode an den Schlenzer Allein schon das Momentum, wenn – um’s genau zu nehmen – gut 58 Muskeln sich versammeln auf kleinstem Raum mit 26 Knochen und Knöchelchen samt dem Geflirr von Sehnen und Bändern sich: einfach hier versammeln, hier unten im Ballungszentrum des Fußes und beschließen, hier und jetzt, in der 59. Minute – um exakt zu sein – aus, sagen wir 22 Metern Entfernung dich zu erschaffen: ein Kunstwerk. Ein Werk, halb Standbein, halb Spielbein, eins, das den […]

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Eingestreute Kritik: Entdeckung & Erkenntnis / Ludwig Steinherrs neuer Gedichtband „Die weißen Freuden des Yeti“

  Ludwig Steinherrs neuer Gedichtband „Die weißen Freuden des Yeti“ Beginnen wir mit einem Statement, in dem auch ein veritabler Funke Neid steckt: So produktiv wie Ludwig Steinherr wäre ich auch gern. 22 Gedichtbände hat er bisher veröffentlicht, davon sieben oder acht allein in den letzten zehn Jahren. Gehässige Naturen würden jetzt sagen: ‚Na, wer in so kurzer Zeit so viele Gedichtbände hervorkarnickelt, bei dem kann doch was nicht stimmen – Masse statt Klasse?’ Doch nein, falscher kann man bei Ludwig Steinherr nicht liegen. Der Münchener Poet und promovierte Philosoph beweist ein ums andere Mal eine bemerkenswerte Kontinuität, was die […]

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»… wenn du mich lässt«: zeitgenössische Gedichte zum ewigen Thema der Liebe bei Reclam erschienen

eine kleine Buchvorstellung von Jan-Eike Hornauer Unter dem Titel »Gedichte für alle Liebeslagen« ist mitten im Corona-Lockdown, also in einer Zeit der Distanz, ein handliches Kompendium herausgekommen, das von inniger Nähe schwärmt, jedoch auch von den komischen und schwierigen Seiten der romantischen Liebe zu berichten weiß. Als Hardcover im kleinen Format (etwa A6) und durch die Verse von 88 zeitgenössischen Poetinnen und Poeten, die in ihm zu finden sind, ist es – auch langfristig – für die Position eines All- und Festtagsbegleiters prädestiniert. Eine wesentliche Basis dieses Auswahlbands bildete für Herausgeber Anton G. Leitner die aktuelle Ausgabe seiner Zeitschrift DAS […]

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Lockdown-Lyrik 2.0 / 090: »Das Heft des Handelns« von Hellmuth Opitz

»Lockdown-Lyrik 2.0! Quarantäne poetisch ausleuchten – etwas ernst zu nehmen heißt nicht, sich davon unterkriegen zu lassen« ist eine Online-Sammlung von Gedichten, die sich mit der Corona-Krise befassen. Es darf uns weiterhin die Sprache nicht verschlagen! In loser Folge erscheinen neue Episoden der nun von Sabine Schiffner, Anton G. Leitner, Alex Dreppec und Fritz Deppert herausgegebenen Anthologie (Dank an Jan-Eike Hornauer, Mitherausgeber Folge 1-154).   Hellmuth Opitz   Das Heft des Handelns liegt zerrissen im Dreck, die Seiten besudelt, in Pfützen getauft, derweil wir auf dem Sofa unser Leben in Serie streamen, Titel: Vom Hörensagen ins Bleibenlassen. Auf einmal sind […]

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