Rückblick: »Weltpost ins Nichtall«-Präsentation im Caveau München am 20.11.2015

Anton G. Leitner. Foto: Jan-Eike Hornauer

Bemerkungen eines Beteiligten – von Jan-Eike Hornauer Regen, Dunkelheit, Kälte, Windböen – gemütlich ist anders. Und passender hätten die im Wortsinne äußeren Rahmenumstände doch kaum sein können: Schließlich wurde mit »Weltpost ins Nichtall« eine Widmungsanthologie zum 100. Todestag des großen Expressionisten August Stramm vorgestellt. Und jener hat ja neben der Liebe Krieg und Tod als Hauptthemen. Er ist bekannt gerade auch für sprachliche Explosivkraft, für Untergang und Vereinzelung. Der Weg zum Caveau, den Ausstellungsräumen von Ko Rüchardt, sorgte bei Publikum und Auftretenden bereits für die atmosphärisch passende Stimmung. Und hielt erfreulicherweise die Interessierten nicht ab. Gut gefüllt war das Rüchardtsche […]

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Zum 100. Todestag von August Stramm:
Langes Telegramm
an Dr. Stramm

von Anton G. Leitner   Fern Buch Stabiere Graben Schütze General Voll Macht Hose Gewimmer Pose Einsames Eisernes Kreuz Wort Rätsel Feld Stecher Stellung Halten Hartes Geschlecht Lüstern Geflüstert Seine Stimme War Sturm World War Über Haupt Mann Vers Ehrt Wunde Blasen Marsch Befehl Front Post Empfänger Bezahlt Porto Welt Einheit Einheiz Kessel Schlacht Hof Schranze Schrapnell Blei Guss Soldat Salutiert Blutiger Ernst (Augusts Krawatte Verrutscht) Aua Rot Schopf Dichter Tropf Promoviert Provoziert Hengst Verwaltung Nicht Immer Grüne Knusper Verse Knospen Aus Wessen Schoß Schuss Zirkel Schluss   © Anton G. Leitner, Weßling   Zum 100. Todestag von August Stramm […]

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Reformatio | Reset
Pausenpoesie zum Neustarten 53
Weckruf

Das Lyrikprojekt zur Lutherdekade im Themenjahr 2015 in Kooperation mit Anton G. Leitner | DAS GEDICHT   Richard Dove Weckruf Wie werf ich mich nieder? Bequem, auf dem nächtlichen Lager mich räkelnd. Kein Morgengrauen, das Dorf in Mittelanatolien schläft noch, dämmert. Es schweigen die phrygischen Schalmeien, die alle Seelenleiden heilen. An der der Göttin geweihten Pinie hängt geschunden der Quelldämon. Der einzige Ort des Lichts das basaltblaue Minarett. Abseits des Mikrophons, unbeabsichtigt zu laut aufgedreht, räuspert sich, sehr leise, der Muezzin, hebt sogleich an. Komplexe Sequenzen, streng symmetrische Pflanzenranken, Arabesken, die sich ihren Weg durch die Trägheit bahnen. Blitzhelle Kalligraphie […]

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Reformatio | Reset
Pausenpoesie zum Neustarten 29
Fortschritt

Das Lyrikprojekt zur Lutherdekade im Themenjahr 2015 in Kooperation mit Anton G. Leitner | DAS GEDICHT   Richard Dove Fortschritt Unergründlich grün durch das Oberland fließt die Isar, löst ihre Mineralien auf, ihre Kalkgesteine, unaufgeregt im glitzernden Frühling, undialektisch, unaufhaltsam. Wie blitzende Flüsse durch die Hochanden, die dunkle Unwegsamkeit der sibirischen Hochebene. Die Menschen, bestenfalls im Zickzack, seitwärts, rückwärts, hinab durchs Angstloch mit den vorstehenden spitzen Zacken. Der Fortschritt, nur ein kurzes Aufklaren in der Aufklärung? Mit dem Strom fährt eine schöne Frau, honigblond, geradlinig, den rumpelnden Schotterpfad entlang, ihre Fahrradlampe gleißend hell in der Helle des Mittags.   © […]

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Starke Stücke, starke Stimmen – Folge 39: »Selfie, somalisch«

Die begleitende Netz-Anthologie zu DAS GEDICHT 22, zusammengestellt und ediert von Anton G. Leitner und Hellmuth Opitz   Richard Dove Selfie, somalisch Im Unland soll ich Ziegenschatten schützen vor Löwenschemen aus den schreienden Bergen, find nicht zurück zu meinem Sohn am Abend, zieh immer weiter, doch es fällt nie Regen. Ich war nicht selbstlos, konnte aber schlichten, wenn es ums beste Gras, ums Wasser, Streit gab. Unterwegs traf mich mittags Höllenfeuer – die Drohne, die für andere bestimmt war, schleuderte meinen Rumpf auf einen Baum, die billigen Sandalen ließ sie liegen. Von der Bordkamera kalt aufgesammelt, bleibt dieses Bild, das […]

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