Der Anton G. Leitner Verlag wird zum dritten Mal in kurzer Folge mit dem Deutschen Verlagspreis ausgezeichnet – DAS GEDICHT wird als Periodikum trotzdem eingestellt, doch der Verlag verkleinert fortgeführt

Weßling / Berlin. Es ist eine Menge los im Anton G. Leitner Verlag: Der Verlag verkleinert sich deutlich, sein Flaggschiff, die regelmäßig erscheinende Reihe DAS GEDICHT, wird mit einer Doppelausgabe, die dieses Jahr erscheint, eingestellt, der Vorlass des 65-jährigen Dichters, Herausgebers und Verlegers Anton G. Leitner wird an die Monacensia, das Literaturarchiv der Stadt München, übergeben.

Und zum Abschied, der doch kein ganzer ist, wird Anton G. Leitners Verlag zum drittten Mal in kurzer Folge mit dem Deutschen Verlagspreis ausgezeichnet: 2022 und 2023 konnte Leitner jeweils einen Preis von der damaligen Kulturstaatsministerin Claudia Roth in Empfang nehmen, 2026 nun steht der AGL Verlag auf der Preisträgerliste ihres Nachfolgers Wolfram Weimer. Ausführlich über all die Neuerungen im Verlag und den erneuten Preissegen, der nicht nur zum ohnehin geplanten Weitermachen motiviert, sondern es auch finanziell erleichtert (die 79 Auszeichnungspreise sind mit 18.000 Euro dotiert, die drei Hauptpreise mit 50.000 Euro) berichtet etwa auch der Münchner Merkur. Die Preisverleihung erfolgt am 9. Oktober im Rahmen der Frankfurter Buchmesse.

Das Redaktionsteam für die letzte regelmäßig erscheinende Ausgabe bei einer der legendären Auswahlsitzungen im Verlagsgarten (v. l.): Melina Stein (Magdeburg), Gabriele Trinckler (München), Anton G. Leitner (Weßling), Sophia Lunra Schnack (Wien), Lorena Pircher (Wien). (Foto: AGL Verlag)

Der Gewinn eines der Deutschen Verlagspreise passt dabei sehr gut dazu, dass es Leitner auf der Zielgeraden noch einmal richtig krachen lassen will: Eben erst ist mit »Spät öffnet sich das Licht« eine Werkausgabe seiner Gedichte erschienen sowie im prall gefüllten Lyrik Kabinett München auf einer Festlesung vorgestellt worden, und der letzte Band von DAS GEDICHT wird als Doppelnummer sowie erstmals mit einer Doppel-Co-Herausgeberschaft erscheinen: Sophia Lunra Schnack und Lorena Pircher unterstützen Leitner, der die Zeitschrift seit knapp dreieinhalb Jahrzehnten führt, für die Ausgabe zum Thema »Metamorphosen«. Zudem mit im Redaktionsteam: Verlagsassistentin Gabriele Trinckler, die aus dem Verlag eigentlich gar nicht wegzudenken ist, ihn nach Erscheinen der Ausgabe 34/35 von DAS GEDICHT aber verlässt, und Verlagspraktikantin Melina Stein. Die zugehörige Premierenlesung wird am Dienstag, den 24. November 2026, ab 19 Uhr im Münchner Lyrik Kabinett stattfinden.

Als Anton G. Leitner an diesem Freitag, 25. September 2026, davon erfahren hat, dass sein Verlag und damit ein zentraler Teil seines Lebenswerks abermals beim Deutschen Verlagspreis bedacht wird, hat er sich selbstverständlich gleich ordentlich gefreut. Aber ebenso betont, dass ein Verlag immer Teamarbeit bedeutet, der Preis also nicht nur für ihn alleine, sondern für alle rund um DAS GEDICHT und AGLV gedacht ist. Zudem war und ist es ihm wichtig zu betonen, dass sich für seinen Verlag und ihn selbst zwar vieles ändert, aber ebenso vieles weiterläuft, auch wenn etwa die Zeitschrift DAS GEDICHT nicht mehr regelmäßig erscheinen wird. Er formuliert das so, wie unter anderem in seinen Kanälen auf den sozialen Netzwerkplattformen nachzulesen ist:

»Mein Verlag bleibt natürlich bestehen, und ich arbeite auf kleinerer Flamme weiter, dann halt so, wie es für einen Mann im 66. Lebensjahr zuträglich ist. Ich werde mich dann insbesondere auf den Online-Bereich sowie auf lyrische Nachwuchsförderung auch im Print konzentrieren und dies natürlich weiter unter dem bewährten Label DAS GEDICHT tun. Auch dem Reclam-Verlag bleibe ich selbstverständlich als Autor und Herausgeber erhalten.

Und dann möchte ich mir noch viel mehr Zeit zum eigenen Schreiben nehmen und für eigene Auftritte. Und last but not least: viel mehr Zeit zum Ausspannen und Wandern und vielleicht auch mal zum Campen.

Ein Schriftsteller geht eh nicht in Ruhestand. Meine Verlagsräume am Weßlinger Buchenweg nutze ich klarerweise weiter. Und meine riesige Dienstbibliothek mit Lyrik (sicherlich um die 10.000 Titel umfassend) wird dann endlich mal wieder geordnet, hunderte von Neuerscheinungen alphabetisch einsortiert. Obwohl schon rund hundert Umzugskisten in der Monacensia im Hildebrandhaus sind, ist’s noch immer so voll bei uns im Verlag. Aber das ist eine altbewährte Verlagskrankheit. Schließlich gibt’s uns ja auch schon fast 35 Jahre als Verlag. Und vorher war ich zehn Jahre lang Vorsitzender des Initiative Junger Autoren e. V., also über 45 Jahre lang im Dienst der Poesie unterwegs.« (jeh)

 

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