
ein Nachruf von Anja Tuckermann
Alma Larsen war ein fester Bestandteil der Münchner Literaturszene. Am vergangenen Montag, dem 2. November 2026, ist die vielseitige Lyrikerin im Alter von 81 Jahren gestorben. Geboren 1945 wuchs sie in der Ruinenstadt Berlin auf. 1967 brach sie die Schule ab und zog nach München, weil München einen Tag näher an Italien lag. Sie holte ihr Abitur nach und studierte Politikwissenschaften. Aber mit den Arbeitsstellen danach war sie nicht zufrieden. »Ich war so ungern angestellt.«
Sie begann Gedichte zu schreiben, eines der ersten wurde im Stern abgedruckt. Sehr bald begann sie außerdem, Kunst zu fotografieren und Kunstkataloge zu gestalten – zunächst für Samuel Rachl, später auch für andere Künstlerinnen und Künstler. Sie schrieb Gedichte zu Kunstwerken, z. B. zu Bildern von Rita de Muynck. Sie ließ sich von Musik inspirieren.
Und sie schrieb auf andere zu, mit anderen: Mit der Autorin und Verlegerin Merve Lowien schrieb sie sich etwa sechs Jahre lang jeden Monat, wobei sich die eine jeweils auf den Text der anderen bezog. Ihre poetische Diagonale brachten sie gemeinsam auf die Bühne und versammelten die zweite Diagonale in dem Band Doppel Stier Gymnastik hach!. In einem weiteren gemeinsamen Band verbanden sich die Zeichnungen von Samuel Rachl mit ihren Gedichten: Kunst am Bein. Anderen Künstlern und vor allem Künstlerinnen setzte sie poetisch ein Denkmal, zum Beispiel den Bildhauerinnen Louise Stomps und Lidy von Lüttwitz.
Augenblick nach Innen (2022) heißt ihr letzter Gedichtband. Die 100 Gedichte des Buches sind in sieben Abschnitte gegliedert. Jeder Abschnitt stehe für zehn Jahre ihres Lebens, erklärte Alma Larsen der Journalistin Sabine Reithmaier, die ein Porträt über sie schrieb. Ein Gedicht sei hier wiedergegeben:
SCHWARZ-WEISS die zeit schminkt dein gesicht ganz ohne farben zeichnet sie tattoos auf
stirn und wangen spinnt ein netz, um deine träume aufzufangen dass sie bleiben zur
vertiefenden betrachtung mit dem augenblick nach innen
Alma Larsen war ein unersetzlicher Teil der Münchner Lyrik-Szene geworden. Neben Dichten, Fotografieren, Austauschen war für sie auch das Literaturvermittleln immer zentral. Sie initiierte die »café-sätze«, eine über Jahre durchgeführte Reihe von Literaturgesprächen in der Seidlvilla, sie veranstaltete Lesungen für andere Poeten und Poetinnen und gab Lyrik-Editionen mit heraus.
Ihr ganzes Leben lang ist sie in München geblieben, nah an ihren Künstlerfreunden und an Italien. Auf dass ihre Gedichte bleiben zur vertiefenden Betrachtung!




