Jan-Eike Hornauer
In der Sommerhitze
Mein Thermometer will ich Reinhold Messner taufen:
Es klettert unaufhaltsam rauf in neue Höh’n.
Die Fliegen schwirren schon um mich (ich zähle zehn),
mein Geist hat sich – final? – im flirren Nichts verlaufen.
Mein Körper liegt erschlafft im endlos feuchten Dorren,
der Bauchspeck nur wagt sich noch vor ins Sein der Welt.
Ich denk’: Selbst du! Und dass doch gar nichts ewig hält.
Ich drifte weg. Und fühl’ mich heillos mit der Welt verworren.
Es schlägt vom Kirchturm rastlos, dumpf. Ich zähl’ die Stunden.
Und denk’ mir dann: Herrgott, das kann nicht sein!
Nun löst sich alles auf. Doch wird mich dies befrei’n?
Hineingesengt ins Nichts werd’ ich dereinst gefunden,
verdunstet sind die Flüssigkeiten und mein bisschen Geist,
bloß meine Mumie bleibt – die weiter um die Sonne kreist.
© Jan-Eike Hornauer, München




