Gedichte mit Tradition, Folge 234: »Die heiße Kameradin« von Jan-Eike Hornauer

»Gedichte mit Tradition – Neue Blätter am Stammbaum der Poesie«: eine fortlaufende Online-Anthologie, zusammengestellt von Jan-Eike Hornauer


Jan-Eike Hornauer

Die heiße Kameradin

Ich hatt’ ne Kameradin,
die war wie Dynamit.
Und wenn sie losmarschierte,
kam jeder gerne mit.

Sie war so grrr, so lechz-lechz,
und das auf Schritt und Tritt.
Wir dachten nie: ›Das rächt sich!‹
Nur: ›Das macht Appetit!‹

So kamen wir in Kriege,
wo mancher grausam litt.
Und hielten doch zusammen,
denn sie war unser Kitt.

Und viele von uns starben.
Bald war’n wir nur zu dritt.
Da ging sie – bamm! – in Fetzen
durch echtes Dynamit.

Wir ham sie teils begraben
(so ganz ging’s eben nit)
und gaben ihr nebst Tränen
auch noch Granaten mit.

Dann gingen wir nach Hause,
mit Welt und Kämpfen quitt.
Hier träumen wir noch heute
von ihr, vom Dynamit.


© Jan-Eike Hornauer, München

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Zu dieser Reihe: »Gedichte mit Tradition – Neue Blätter am Stammbaum der Poesie« ist eine Online-Sammlung zeitgenössischer Poeme, die zentral auf ein bedeutendes Werk referieren, ob nun ernsthaft oder humoristisch, sich verbeugend oder kritisch. Jeden zweiten Freitag erscheint eine neue Folge der von Jan-Eike Hornauer herausgegebenen Open-End-Anthologie. Alle bereits geposteten Folgen finden Sie hier.



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