Poetisch Stellung beziehen zum Verhältnis von Mensch und Natur heute, das will die Reihe »Naturgedicht des Monats«. Dichterinnen und Dichter begegnen in ihr dem Sterben der Wälder, dem Schwinden natürlicher Landschaften – und dies im besten Fall hoffnungsmachend.

© am Gedicht: Lorena Pircher, Wien
Das »Naturgedicht des Monats« wird herausgegeben von Bergwaldprojekt e. V. und DAS GEDICHT.



Hintergründe zu dieser Reihe: Der Verein Bergwaldprojekt leistet unter dem Motto »Aufbäumen« seit 1991 tatkräftige Wald- und Naturschutzarbeit in Deutschland. Mittels Öffentlichkeitsarbeit versucht er zudem, Menschen für die Natur und ihre Gefährdungen, die zugleich eine Gefährdung unserer Lebensgrundlage bedeutet, zu sensibilisieren – und dies auch mit Lyrik. In Zusammenarbeit mit DAS GEDICHT publiziert er seit 2020 das »Naturgedicht des Monats«. Eigens gestaltete Gedichttafeln werden hierfür zu Monatsbeginn auf den Social-Media-Kanälen des Bergwaldprojekts (u. a. Facebook, Instagram, Telegram) veröffentlicht.
Beginnend mit Februar 2024 erscheint das »Naturgedicht des Monats« zudem hier auf »DAS GEDICHT blog« sowie auf den Social-Media-Kanälen von DAS GEDICHT. Alle bereits auf »DAS GEDICHT blog« geposteten Folgen vom »Naturgedicht des Monats« finden Sie hier.





MENSCH UND NATUR
Vielen Tieren Lebensraum,
für den Sauerstoff ein Quell,
für gesundes Klima essenziell;
das ist unser Freund, der Baum.
Ohne Bäume in Wald und Flur
wär‘ die Erde ein öder Planet nur.
Wir sehnen uns nach diesem Grün,
der Zeit, wenn wieder Bäume blüh’n.
Wir wollen wandeln durch Alleen,
das Blätterdach so wunderschön.
Jeder Baum, der zum Opfer fällt,
macht etwas ärmer uns’re Welt.
Tornados, Hitze, Wassernot;
Feuer wüten in Wald und Flur.
Das Wetter gerät aus dem Lot,
Klimawandel zieht seine Spur.
Borkenkäfer in der Kiefer,
auch zur Fichte zieht Geziefer.
Statt sattes Grün und Waldeslust,
kranke Bäume und Försters Frust.
Profitgier lässt Wälder schwinden,
fördert weltweit Umweltsünden.
Die grüne Lunge des Planeten
in Gefahr, da hilft kein Beten.
Zu viele Buchen und Eichen
mussten schon der Kohle weichen.
Retten wir den herrlichen Wald,
bewahren die Artenvielfalt.
Kämpfen wir für Mutter Erde,
dass sie nicht zur Wüste werde.
Man produziert und produziert,
plündert Ressourcen ungeniert.
Gewinnmaximierung ist Pflicht,
die intakte Natur zählt nicht.
Börsenkurse steh’n im Fokus,
Umweltschutz in den Lokus.
Plastikflut und Wegwerftrend,
man konsumiert permanent.
Von Müllvermeidung keine Spur,
Unrat verschandelt Wald und Flur.
Unser westlicher Lebensstil
taugt nicht als Menschheitsziel.
Die Jagd nach ewigem Wachstum
bringt letztlich den Planeten um.
Das oberste Gebot der Zeit
muss heißen Nachhaltigkeit.
Statt nur nach Profit zu streben,
im Einklang mit der Natur leben.
Der Mensch, dieses kluge Wesen,
kann im Gesicht der Erde lesen.
Er sieht die drohende Gefahr,
spürt die Erwärmung Jahr für Jahr.
Homo sapiens muss aufwachen,
seine Hausaufgaben machen.
Wir alle stehen in der Pflicht,
maßvoll leben ist kein Verzicht.
Teilen und Second Hand der Trend,
Repair vor Neukauf konsequent.
Bei allem etwas Enthaltsamkeit,
nehmen wir uns die Freiheit.
Wer die Vielfalt der Arten will,
vermeidet den Chemie-Cocktail.
Die Tiere brauchen Lebensraum,
lassen wir ihnen Gras und Baum.
Für Gesundheit und Wohlergeh’n,
lasst die grünen Oasen steh’n.
Rainer Kirmse , Altenburg
Herzliche Grüße aus Thüringen