Gedichte für Kinder – Folge 79: 13 Weihnachtsgedichte

Uwe-Michael Gutzschhahn präsentiert jeweils am 10. eines Monats auf DAS GEDICHT blog faszinierende Kindergedicht-Autoren mit ihren vielfältigen Spielarten der Kinderpoesie. Denn das Kindergedicht soll lebendig bleiben – damit aus jungen Gedichtlesern neugierige Erwachsene werden, die sich an die Klänge und Bilder der Poesie erinnern, statt an die Last der didaktischen Lyrikinterpretation.

 
 
Erwin Grosche

Schnee Schnee Schnee

Schnee Schnee Schnee
fallen tut nicht weh
gut, dass es zur Weihnachtszeit
keine Elefanten schneit
Schnee Schnee Schnee
fallen tut nicht weh
 
 
 
Iris Schürmann-Mock

Weihnachtsgebäck

Segelbrot und Schrippenzieher,
Eierwecken, Baguettini,
Bagelbahn und Weinbergknäcke,
Augentoast und Papanini,
Croissankt Martin, Stutenstall,
Breezelbub ist überall.
Pumpernikolaus geht um:
Semmel-Sammel-Surium.
 
 
 
Georg Bydlinski

Die Bitte

Zuckerguss und Mandelkern,
back mir einen Weihnachtsstern,

den ich mitten ins Gepränge
an den hohen Christbaum hänge,

zu bestaunen nicht vergesse
und im neuen Jahr dann esse.
 
 
 
Dagmar de Mendieta

Jedes Jahr im Dezember

Jedes Jahr im Dezember!
Das Fest der Liebe,
time to remember.
Letzte Weihnacht vergesse ich nie,
da war Covid-19-Pandemie.
Es tröstet das Zusammensein,
bei Mandelduft und Kerzenschein.
 
 
 
Erwin Grosche

Weihnachtsradio

Achtung, Achtung
auf der A 33
kommt Ihnen ein Schlitten entgegen.
Er wird von Elchen gezogen und ist mit
Geschenken beladen.
Warnen Sie den Mann auf dem Schlitten – er trägt eine rote Mütze
und einen langen weißen Bart – durch deutliche Lichtsignale.
 
 
 
Nils Mohl

in der reimgebäckbäckerei

zimtsterne?
o gerne!

makrone?
nie ohne!

konfekt?
das schmeckt!

feenkuss?
ein muss!

spritzgebäck?
hin und weg!

kipferlein?
wirklich fein!

kakaoschnecken?
werden schmecken!

nimm so viel in den mund
wie du kauen kannst
streichle dir hinterher
sanft über den wanst

noch beide mundecken
und lippen lecken
genüsslich schlucken
nach nachschub gucken

keiner da?

nicht mal ein krümelein?
dann zufrieden sein
mit tiefem seufzerton
– endlich backsaison!
 
 
 
Nikola Huppertz

Schafsweihnacht

Von jeher ist das Weihnachtsfest
für Schafe schon ein Härtetest.
Denn seit im allerersten Jahr
es zuging äußerst sonderbar
und man sie weckt’ zur späten Nacht
mit Lobgesang und Engelspracht,
gehören sie mit Schwanz und Ohr
zum weihnachtlichen Art-Decor:

Als Krippenrolle ohne Text,
als Keks mit Eierschaum bekleckst,
als Christbaumschmuck aus Handarbeit,
als Pinnekjøtt (es tut mir leid),
im Bilderbuch, im Fernsehclip,
im Bibelvers, im Comicstrip
und nun – gelungen oder nicht –
in diesem Weihnachtsschafsgedicht.

Doch sehr erleichternd sagt man mir:
Den Tieren sei es ein Pläsier.
Sie treffen sich ganz ungestresst
zu ihrem eignen Freudenfest,
denn Schafe sind bekanntlich zäh –
MÄH.
 
 
 
Inge Meyer-Dietrich

Nächstes Jahr vielleicht

Mein Kinderzimmer ist so voll,
ich weiß nicht, was ich spielen soll.
Was ich im Haus so machen kann?
Ich habe keinen Spaß daran.
Jetzt soll ich neue Wünsche schreiben,
doch alles muss wie immer bleiben.
Ich wünsch mir aber einen Hund.
Und schon sagt Papa: ungesund.
Krankheiten wird der übertragen.
Da will ich gar nicht länger fragen.
Und Mama sagt: Der macht bloß Dreck.
Den putzt du ganz bestimmt nicht weg.
Ich denke, ja, das kann schon sein.
Dann bleib ich wie ich bin, allein
und wütend, könnte platzen.
Schneide mir im Spiegel Fratzen.
Da kommt mir plötzlich ‘ne Idee.
Wie wär’s an Weihnachten mit Schnee?
Mit meinem Schlitten könnt ich raus.
Ich tobte mich so richtig aus.
Und vielleicht im nächsten Jahr
wird mein Wunsch ja doch noch wahr.
Ich glaub, ich hab drei Wünsche frei.
Vielleicht ist auch ein Hund dabei.
Vielleicht.
 
 
 
Wolfgang Oppler

Das Christkind

Heut Nachmittag hab ich das Christkind gesehn,
mit Glitzern und Funkeln vom Kopf zu den Zehn.
Das Nachthemd gebügelt und makellos rein.
Zwei goldene Flügel, ein Heiligenschein.

Ich grüßte ganz artig und wies darauf hin,
dass ich immer brav war und weiterhin bin.
Ich bräucht‘ eine X-Box, ich hätt‘s ja geschrieben,
dazu ein paar Spiele, so sechs oder sieben.

Da stöhnte das Christkind und sagte verkniffen:
“Die X-Box war aus und die Spiele vergriffen.
Ich bring dir stattdessen Orangen und Nüsse.”
Das gab meiner Ehrfurcht beträchtliche Risse.

Jetzt werden die Eltern es hoffentlich raffen,
dann müssen halt die mir die X-Box beschaffen.
 
 
 
Oana Schuller

Weihnachtszauber

Der Weihnachtsmann, der hat trainiert,
hat ‘nen Iron Man absolviert.
Jetzt hat er einen Waschbrettbauch
und Radlerwadeln hat er auch.

Die Weihnachtsfrau trägt Rauschebart,
so im Gesicht ganz dicht behaart,
da steckt sie immer mollig warm,
ihr Mann meint, das hätt wirklich Charme.

Der Rudolph setzt sich neben Klaus
und ruht sich mal die Hufe aus.
Heut ist er genug geritten,
jetzt lenkt einmal er den Schlitten.

Sind die Geschenke dann verteilt,
sitzen sie voll Heiterkeit,
vor dem Kamin bei Keks und Punsch.
Und hätt ich einen Weihnachtswunsch,
ich wünscht, dass auf der ganzen Erde
der Weihnachtszauber Wahrheit werde.
 
 
 
Christa Zeuch

Nicht gucken!

Ich gucke doch
durchs Schlüsselloch
und kann das Christkind sehen.
Jeans hat es an
mit Flicken dran.
Jetzt scheint es sich zu drehen.

Schnell weg – zu spät,
die Klinke geht.
Es ruft: “Du spinxt, du Schlimme!”
Verflixter Mist,
o je, das ist
ja Papas tiefe Stimme …
 
 
 
Jutta Richter

Weihnachten

Was würdest du machen, wenn
Weihnachten wär
und kein Engel würde singen?
Es gäbe auch keine Geschenke mehr,
kein „Süßer die Glocken nie klingen“.
Im Fernsehen hätte der
Nachrichtensprecher
Weihnachten glatt vergessen
und niemand auf der ganzen Welt
würde Nürnberger Lebkuchen essen.
Die Nacht wäre kalt,
dicke Schneeflocken fielen,
als hätt sie der Himmel verloren.
Und irgendwo in Afghanistan
würde ein Kind geboren.
In einem Stall, stell es dir vor,
die Eltern haben kein Haus.
Was glaubst du,
wie ginge wohl dieses Mal
eine solche Geschichte aus?
 
 
 
Matthias Kröner

Zwei Geschenke

Meine Freundinnen sagen,
dass es den Weihnachtsmann nicht gibt,
was vielleicht stimmt.
Doch sie können ebenso wenig erklären,
weshalb die zwei Geschenke,
die ich für den Weihnachtsmann
und das Christkind
unter den Baum gelegt habe,
bei der Bescherung

weg waren.
 
 
© bei den Autorinnen und Autoren
 
 
Uwe-Michael Gutzschhahn

Uwe-Michael Gutzschhahn. Foto: Volker Derlath
Uwe-Michael Gutzschhahn. Foto: Volker Derlath

Uwe-Michael Gutzschhahn, Jg. 1952, lebt in München und hat an der Universität Bochum über den Lyriker Christoph Meckel promoviert. Seit 1978 hat er zahlreiche eigene Gedichtbände veröffentlicht, u. a. »Fahrradklingel« (1979), »Das Leichtsein verlieren« (1982), »Der Alltag des Fortschritts« (1996) und »Die Muße der Mäuse« (2018). Zwischen 1988 und 1991 gab er die 12-bändige Kinder-Taschenbuchreihe »RTB Gedichte« mit Texten u. a. von Ernst Jandl, Oskar Pastior, Friederike Mayröcker und Sarah Kirsch heraus. 2003 folgte die Anthologie »Ich liebe dich wie Apfelmus«, die er mit Amelie Fried zusammenstellte und die gerade in einer Neuausgabe wiederaufgelegt wurde. Sein erster eigener Kindergedichtband folgte 2012 unter dem Titel »Unsinn lässt grüßen«. Und im Herbst 2015 erschien seine große Nonsenslyrik-Anthologie »Ununterbrochen schwimmt im Meer der Hinundhering hin und her«, im Frühjahr 2018 die Anthologie »Sieben Ziegen fliegen durch die Nacht« bei dtv Junior, die aus der Reihe »Gedichte für Kinder« hervorgegangen ist.

Alle bereits erschienenen Folgen von »Gedichte für Kinder« finden Sie hier.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert