Lockdown-Lyrik 2.0 / 155: »mailied im lockdown« von Fitzgerald Kusz

»Lockdown-Lyrik 2.0! Quarantäne poetisch ausleuchten – etwas ernst zu nehmen heißt nicht, sich davon unterkriegen zu lassen« ist eine Online-Sammlung von Gedichten, die sich mit der Corona-Krise befassen. Es darf uns weiterhin die Sprache nicht verschlagen! In loser Folge erscheinen neue Episoden der nun von Sabine Schiffner, Anton G. Leitner, Alex Dreppec und Fritz Deppert herausgegebenen Anthologie (Dank an Jan-Eike Hornauer, Mitherausgeber Folge 1-154).

 

Fitzgerald Kusz

mailied im lockdown

„wie herrlich leuchtet“ goethe

houch afferm baam singd ä amsl
wenns aufhörd fängd ä andre
afferm andern baam zu singä oo
und wenn däi aufhörd
singd däi wou oogfangä houd
widdä weidä und su weidä

des gewummä im hindägrund
vo di audo aff dä schdrass
is aff amall ganz weid wech
wenn ä wengä wind wäihd
reengds blüdnbläddä

 

mailied im lockdown    (Interlinear-Übersetzung)

hoch oben auf einem baum singt eine amsel
wenn sie aufhört fängt eine andere
auf einem anderen baum zu singen an
und wenn die aufhört
singt die angefangen hat
wieder weiter und so weiter

das gewummer im hintergrund
von den autos auf der straße
ist auf einmal ganz weit weg
wenn ein wenig wind weht
regnet es blütenblätter

 

© 2021 Fitzgerald Kusz, Nürnberg
(Übersetzung aus dem Fränkischen durch den Autor;
Redaktion: Anton G. Leitner)

 

 

Lockdown Lyrik 2.0. Wir hatten gehofft, dass es zu keinem zweiten Lockdown mehr kommen würde. Aber jetzt ist er angeordnet, der sog. »Wellenbrecher-Lockdown«. Er beginnt in Deutschland ab Montag, den 2. November 2020 – mit der Aussicht auf triste Herbst- und Wintertage. Grund genug für die Redaktion der Jahresschrift DAS GEDICHT, ihre vieldiskutierte Netz-Anthologie zur Corona-Krise vom Frühjahr 2020 wieder hochzufahren. Möge diese Online-Sammlung zur Pandemie uns allen einmal mehr dabei helfen, tief Luft zu holen und möglichst viele Aspekte der weltweiten Katastrophe mit dem Instrumentarium der Lyrik auszuleuchten, damit wir und unsere Leserinnen und Leser mental nicht unter die zweite Welle geraten!

Sabine Schiffner, Alex Dreppec, Fritz Deppert und Anton G. Leitner
 
PS: Alle bereits geposteten Folgen von »Lockdown-Lyrik! Quarantäne querdenken – etwas ernst zu nehmen heißt nicht, sich davon unterkriegen zu lassen« finden Sie hier. In loser, jedoch zügiger Folge wird die Sammlung erweitert.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.