Vom Leder gezogen – zur EM 2016 in Frankreich, Folge 64: »Payets Foul«

Die Lyriker-Mannschaft von DAS GEDICHT blog mit Kapitän Jan-Eike Hornauer kommentiert die Fußball-EM unterm Eiffelturm

 

Hellmuth Opitz

Aus der Reihe »Fußballkunstwerke« heute:
Payets Foul

Als hätte man es fast geahnt,
dieser Coup war gut geplant.

Ohne das jetzt aufzubauschen:
So in den Mann hineinzurauschen,

dass die Bänder in den Knien
sich über Schmerzensgrenzen ziehn,

da war Verletzungsabsicht mit im Spiel,
den Gegner schwächen war das Ziel,

Ronaldo aus der Mannschaft nehmen
und so den ganzen Aufbau lähmen.

Tja, raffinierte Planung – bloß:
Der Schuss ging dann nach hinten los.

Denn die Tränen des Akteurs
war’n der Klebstoff – ja, ich schwör’s –,

der Leim aus Wut und Emotion
für Spirit und für Sensation.

So hat Payet ganz absichtslos
ein echtes Kunstwerk – wirklich groß –

kreiert, ja, ein Kulturdenkmal:
den Mannschaftsgeist von Portugal!

 
© Hellmuth Opitz, Bielefeld

(Zur Final-Partie Portugal – Frankreich, Endstand 1:0 n. V.; Christiano Ronaldo, mehrfacher Weltfußballer des Jahres und Kapitän der portugiesischen Nationalmannschaft, wurde in der achten Spielminute so hart von Dimitri Payet attackiert, dass er schließlich ausgewechselt werden musste.)

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Die EM 2016 lyrisch zu kommentieren, und dies schnell und in doppeltem Sinne fachkundig (mit poetischem und fußballerischem Verstand), mit Witz und Eifer, voll Leidenschaft und auch mal mit distanziertem Blick, dies hat sich das Lyriker-Team um Kapitän Jan-Eike Hornauer zum Ziel gesetzt. Es besteht aus: Michael Hüttenberger, Hellmuth Opitz, Michael Augustin, Alex Dreppec und Matthias Kröner. Und damit durchgängig aus bewährten poetischen Fußball-Kommentatoren: Sie alle waren bereits in der Lyriker-Elf von DAS GEDICHT blog dabei, die vor zwei Jahren den Weg der deutschen Nationalmannschaft zum vierten Stern auf dem Versfuß begleitet hat, spielerisch, euphorisch, kritisch – und mit einer Mannschaftsstimmung, wie man sie sich besser nicht wünschen kann. Und sie alle haben sich blitzschnell dazu bereit erklärt, auch heuer wieder ihre Kugelschreiber rollen zu lassen bzw. am Laptop ihre Silben knallhart in die Ecken der weißen Blätter zu hämmern. Kein Zögern gab es und keine Absage. Der Teamgeist von 2014 ist immer noch da – bei uns und gewiss auch bei den Jungs aus der DFB-Elf. Mögen dort auch einige Spieler durch neue ersetzt worden sein, und mag unser Team zum »kleinen« Turnier auch mit kleinerer Besetzung auflaufen.

Alle bereits geposteten Folgen von »Vom Leder gezogen – zur EM 2016 in Frankreich« finden Sie hier. Und selbstverständlich können Sie auch nach wie vor den kompletten Weg zum vierten WM-Titel poetisch nachvollziehen, und zwar hier: »Vom Leder gezogen – zur Fußball-WM 2014 in Brasilien«.

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