Eingestreute Gedichte: »am morgen« von Andreas Altmann

 

Andreas Altmann

am morgen

es hat geschneit, die bäume sind voller regen.
es ist kalt. die augen tränen im aufkommenden licht.
wasser treibt in dünnen linien über das fensterglas.
felder tragen eine schneehaut. kahle sträucher
zeichnen sich auf ihr fort. keine schritte sind über
den weg gegangen. ich fahre an den see, will sein eis
über das wasser tragen. ein halbes leben ist seitdem
erzählt. der wind greift ins gesicht. ich sehe die dinge
vom ende her, hast du gesagt. das ist ein langsamer satz.
am bahnhof werde ich abgeholt. ich bin fremd hier.
immer fühlte ich mich fremd, nur bei dir nicht.
du bist schön. du hast ein lied gesungen. es wird tag
und der schnee rutscht von den dächern. der winter
wird kommen, schon ist er hier. und ich muss gehen.

 

© Andreas Altmann, Berlin

 

 

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